111 Jahre Strom für Grafing

In einem Magistratsprotokoll vom 9. August 1899 ist folgender Antrag des Grafinger Bürgers Josef Altinger nachzulesen:

"Ich beabsichtige, in meinem Mühlanwesen Eglmühle eine elektrische Anlage einzubauen und verschiedene Anwesen in Grafing mit elektrischem Licht und Strom zu versorgen. Ich bitte um die Erlaubnis, die gemeindlichen Straßen und Plätze mit den nötigen elektrischen Leitungsdrähten überspannen zu dürfen."

Diesem Antrag wurde stattgegeben und die Generatoren nahmen die Arbeit auf. Das Wasserkraftwerk "Eglmühle" ist übrigens auch heute noch in Betrieb und erzeugt neben der Hammerschmiede und der Griesmühle Ökostrom für Grafing. Um das Jahr 1911 wohnten in Grafing ca. 2.000 Einwohner, etwa 800 Lampen waren angeschlossen und 23 Motore in Betrieb. Jedes Haus hatte höchstens eine Brennstelle und eine Steckdose.

Im Jahre 1913 übernahm der Sohn Max Altinger den Betrieb. Im neu errichteten Kraftwerk „Höllmühle“ erzeugte eine mit Wasserkraft betriebene Turbine Strom. Grafing bekam eine öffentliche Straßenbeleuchtung. Die wachsende Nachfrage erforderte die Installation eines Dieselmotors und eines Dieselgasmotors sowie einer weiteren Turbine. Außerdem erfolgte der Anschluss an das Überlandnetz der Isar-Amperwerke . Nun wurde auch in der Großottmühle elektrischer Strom erzeugt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Ortsnetz von Gleichstrom auf Drehstrom umgestellt.

1945 hatte Grafing 800 Haushalte, die mit Altinger - Strom versorgt wurden. Im Jahre 1948 entstand im Geschäftshaus am Urtelbach ein Elektrofachgeschäft. In den 50erJahren folgte eine ungeahnte Nachfrage auf Elektroartikel für alle Bereiche des modernen Haushalts.

Die 10.000-Volt-Kabel wurden durch ein leistungsfähiges 20-kV-Netz ersetzt, Trafostationen und eine neue Übergabestelle wurden gebaut und die Straßenbeleuchtung erweitert. 1956 übernahm der Schwiegersohn Max Altingers, Peter Rothmoser, das E–Werk,tatkräftig unterstützt von seiner Frau, Antonie Rothmoser. Der technische Fortschritt erforderte ständige Weiterentwicklungen, denen man durch hohe Investitionen gerecht wurde.

Ab dem Jahr 1972 übernahmen deren Söhne, Peter und Martin Rothmoser die Geschäftsführung. Es erfolgten der weitere Ausbau des Ortsnetzes, die Verkabelung des Niederspannungsnetzes sowie der Aufbau der Wärmeversorgung.

Ab Januar 2007 wurde das Elektro-Fachgeschäft sowie die Elektroinstallation an einen langjährigen Mitarbeiter, Herrn Georg Grabmeier weitergegeben. Damit einher ging eine Konzentration auf die Geschäftsfelder Stromnetzbetrieb, Wärmeversorgung und Stromvertrieb, die weiterhin konsequent ausgebaut werden sollen.

Ende 2010 geht die Biogasanlage der Bioenergie Grafing AG in Betrieb, an der die Rothmoser GmbH&Co. KG 49% der Anteile hält. Die Biogasanlage am Ortsrand in der Rotterstr. 53 liefert über eine unterirdische Gasleitung Biogas an zwei BHKW-Standorte im Ortszentrum. Dort entsteht aus dem Biogas durch Verbrennung in einem Motor Strom und Wärme. Somit kann ca. die Hälfte des Wärmebedarfs im Nahwärmenetz durch erneuerbare Energien gedeckt werden.

 

Ein weiterer Generationenwechsel erfolgte 2011, als Florian Rothmoser, der Sohn von Peter Rothmoser, ins Geschäft einstieg. Sechs Jahre später stieg Simon Rothmoser, der Sohn von Martin Rothmoser, ebenfalls in die Firma ein. Damit ist das Familienunternehmen seit nunmehr fünf Generationen im Energiegeschäft tätig.   

(siehe auch die Homepage der Bioenergie Grafing AG http://bioenergie-grafing.de)